Die Familien von Sigmund (* 13.06.1879 – † 12.04.1928) und Adolf (* 25.06.1892 – † 07.12.1943) Kahn
Zur Bedeutung des jüdischen Viehhandels im deutschen Südwesten
Seit der Frühen Neuzeit gehörte der Viehhandel neben Kreditgeschäften und dem Kleinhandel zu den wichtigsten Erwerbszweigen des ländlichen Judentums in Südwestdeutschland. Mehrfachtätigkeiten waren dabei eher die Regel als die Ausnahme: Jüdische Viehhändler betätigten sich vielfach zugleich im allgemeinen Handel und als Kaufleute. Der deutsche Südwesten bildete einen wichtigen Schwerpunkt nicht nur des Landjudentums insgesamt, sondern auch des jüdischen Viehhandels. Besonders deutlich zeigt sich dies in Orten wie Baisingen, Dettensee, Mühringen, Nordstetten und Rexingen sowie im Raum Haigerloch – also Gegenden, die während eines Großteils der Frühen Neuzeit nicht zum Herzogtum Württemberg gehörten, sondern unter der Hoheit eigenständiger Herrschaften standen. Denn Württemberg schloss Jüdinnen und Juden über Jahrhunderte hinweg weitgehend aus seinem Herrschaftsbereich aus.
Im 19. Jahrhundert begann sich die jüdische Berufsstruktur grundlegend zu verändern: Emanzipation, Urbanisierung und neue Bildungs- und Erwerbschancen förderten die Abwanderung der jüngeren Generation in die Städte und den Übergang in andere Berufe. Zugleich richteten sich antijüdische und seit dem späten 19. Jahrhundert zunehmend antisemitische Tendenzen gegen jüdische Viehhändler. Dadurch verlor die Verbindung von jüdischem Leben und dörflichem Raum im 19. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung.
Die Baisinger Familie Kahn
Als landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt hatte Böblingen einen entsprechenden Bedarf an Nutztieren, weshalb dort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts regelmäßig Viehmärkte stattfanden. Gehandelt wurde vor allem mit Rindern und Kühen, seltener auch mit Pferden. Böblingen war jedoch eher ein regionaler Marktort als ein Zentrum des Viehhandels. Der Lebensmittelpunkt der – insbesondere jüdischen – Viehhandelsfamilien lag traditionell eher in den weiter südlich gelegenen Orten Württembergs, etwa in Baisingen. Aus der dort ansässigen und weit verzweigten Familie Kahn stammten auch die Brüder Sigmund und Adolf, die nach 1910 ihren Lebensmittelpunkt zunehmend nach Böblingen verlegten.
In Baisingen selbst sind die Kahns seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Über viele Generationen hinweg waren sie als Kaufleute tätig, darunter besonders im Viehhandel. Geht man mehrere Generationen zurück, sind die Brüder Sigmund und Adolf Kahn auch mit dem Baisinger Viehhändler Harry Kahn verwandt, der die nationalsozialistischen Konzentrationslager überlebte und 1945 in das Dorf zurückkehrte. Sein Sohn, Dr. Fredy Kahn, der später viele Jahre als Mediziner in Nagold wirkte, sprach in zahlreichen Vorträgen in der Region über seine Familiengeschichte und seine Erfahrungen als Jude in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945.
Der ältere Bruder: Sigmund Kahn
Die Eltern von Sigmund und Adolf Kahn waren der Baisinger Viehhändler Hirsch Marx (Zvi) Kahn und dessen Frau Sophie Kahn, geborene Levi aus Mühringen. Das Ehepaar hatte insgesamt acht Kinder. Sigmund war das drittälteste und wurde am 15. Juni 1879 in Baisingen geboren. Beruflich folgte er seinem Vater und wurde ebenfalls Viehhändler. Am 21. November 1909 heiratete er Berta Bauernfreund aus Schluchtern, die Tochter des Händlers und Gemeindevorstandsmitglieds Isak Bauernfreund.
Wann Sigmund und Berta Kahn ihren Lebensmittelpunkt von Baisingen nach Böblingen verlegten, lässt sich nicht mehr genau bestimmen. Möglicherweise war Sigmund Kahn bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Viehmärkten in der Böblinger Region unterwegs. In diesem Zusammenhang könnte er auch das Haus in der Stuttgarter Straße 10 erworben und den dazugehörenden Garten mit Stall für seine beruflichen Tätigkeiten genutzt haben. Die gemeinsamen Kinder Senta (*29. Dezember 1910), Heinz „Heini“ (*18. Januar 1912) und Hans Max (*16. November 1916) erscheinen jedenfalls alle drei im Geburtenbuch der jüdischen Gemeinde Baisingen. Das Buch scheint in diesen Jahren jedoch nicht mehr konsequent geführt worden zu sein: Verzeichnet wurden vor allem das Datum der Brit Milah (Beschneidung) der männlichen Kinder und der Name des jeweiligen Mohels, der die Beschneidung vornahm. Zugleich erscheint darin aber auch die Geburt der Tochter Senta Kahn. Wie es scheint, dokumentierte die jüdische Gemeinde weiterhin alle Kinder ihrer Gemeindemitglieder – unabhängig von deren Wohnort. Obwohl die Familie in Böblingen lebte, blieben Sigmund und Berta Kahn Teil der Baisinger Gemeinde. Sigmund Kahn wurde nach seinem Tod am 12. April 1928 auch auf dem dortigen jüdischen Friedhof beerdigt.
Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat, wie aus dem Totenbuch der jüdischen Gemeinde Baisingen hervorgeht. Dort ist unter der Rubrik der Todesursache vermerkt: „Folgen einer Kriegsverwundung; allmähliche Blutvergiftung.“ Als Aufenthaltsort seiner Ehefrau wird Böblingen genannt. In der Süddeutschen Viehhandels-Zeitung vom 13. April 1928 gedachten ihm seine Berufskollegen in einem Nachruf:
Auch in der Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs wurde Sigmund Kahn geehrt. In einer Meldung vom 01. Mai 1928 hieß es demnach:
„Baisingen. Hier wurde am Tage nach Peßach der in weiten Kreisen des Landes bekannte Viehhändler Siegmund [sic] Kahn zu Grabe getragen. Nach langjähriger Leidenszeit erlag er den Verwundungen, die er sich als Stoßtruppenführer im Kriege zugezogen hatte. Die Beliebtheit, deren sich der nunmehr Entschlafene allerwärts erfreute, bekundete sich in der herzlichen Teilnahme der Ortsbewohner wie der auswärtigen Freunde. Ein Trauergefolge von hier nur selten zu verzeichnender Stattlichkeit zeugte von der Wertschätzung des Dahingegangenen. Der hiesige Kriegerverein erwies ihm die üblichen militärischen Ehren, obgleich der Kamerad seit einiger Zeit in Böblingen wohnte und, wie immer an den religiösen Festtagen, mit seiner Familie die Peßachtage hier verbrachte. Rabbiner Dr. Schweizer, Horb, Hauptlehrer Unikower, Baisingen, Oberlehrer Kahn, Laupheim, als Bruder, sowie ein Vertreter eines Böblinger Freundenkreises [sic] widmeten dem Verstorbenen herzliche Gedenkworte.“
Nachruf auf Sigmund Kahn in der Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs (V. Jahrgang, Heft 3) vom 01. Mai 1928. URL: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:30:1-138940 (letzter Zugriff am 24.03.2026).
Der Nachruf bestätigt nicht nur, dass Sigmund Kahn an den Folgen einer Kriegsverletzung starb, sondern auch, dass die Familie Kahn ihre religiöse Heimat weiterhin in der jüdischen Gemeinde Baisingen sah. Sie besuchte nicht die geografisch näher gelegene Synagoge in Stuttgart, sondern kehrte an den hohen Feiertagen nach Baisingen zurück.
Die Flucht der Kinder
Nach dem Tod Sigmund Kahns zog dessen Witwe Berta mit den drei Kindern zu ihrem Bruder Ludwig Bauernfreund nach Stuttgart. Dieser besaß dort eine Lampenfabrik, in der auch die Kinder Senta und Heinz „Heini“ zeitweilig Arbeit fanden. Zwischen 1935 und 1938 lebte die Familie nun in der Sängerstraße 8. Mit der seit 1933 zunehmenden Verfolgung, Diskriminierung und Bedrohung durch den NS-Staat versuchten die Mitglieder der Familie Kahn/Bauernfreund, sich durch Flucht aus Deutschland zu retten. Ludwig Bauernfreund verkaufte seine Firma und floh nach Palästina. Tochter Senta heiratete am 7. Dezember 1937 in Frankenthal (Pfalz), ihrem letzten Wohnort vor der Flucht, den Kaufmann Walter Schwarz. Kurz darauf floh das Ehepaar gemeinsam in die Vereinigten Staaten. Gegen den zweiten Sohn Heinz „Heini“ wurde Ende 1936 ein Strafverfahren wegen sogenannter „Rassenschande“ eröffnet. Auf Grundlage der Nürnberger Gesetze waren seit 1935 Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Jüdinnen oder Juden bzw. als jüdisch geltenden Personen und nichtjüdischen Deutschen verboten. Zuwiderhandlungen wurden mit Zuchthaus oder Gefängnis bestraft. Aus diesem Grund musste Heinz „Heini“ Kahn im Mai 1937 überstürzt aus Deutschland fliehen, zunächst in die Niederlande und zwei Jahre später schließlich nach Bolivien. Auch das jüngste Kind von Sigmund und Berta Kahn, Hans Max, konnte sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung retten: 1937 floh er nach Südafrika.
Deportation und Tod von Berta Kahn
Berta Kahn blieb zurück und erlebte die eskalierende Gewaltpolitik des NS-Regimes. 1938 musste sie in das sogenannte Judenhaus in der Stuttgarter Urbanstraße 116 umziehen, was den Verlust ihres gesamten Haushalts bedeutete. Seit Anfang 1939 wurde sie gezwungen, den Zweinamen Sara zu führen und ab September 1941 musste sie den Gelben Stern tragen.
1941 begannen schließlich die Großen Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager, auch in Württemberg. Der erste Transport ging am 1. Dezember 1941 vom Nordbahnhof aus nach Riga. Neben jüdischen Personen aus Haigerloch, Heilbronn, Rexingen, Göppingen, Buchau, Ulm, Laupheim, Baisingen und Buttenhausen wurden auch 338 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Stuttgart deportiert – darunter Berta Kahn. Die Stadt Stuttgart ließ von diesem Transport einen Propagandafilm produzieren, der insbesondere Szenen aus dem Sammellager zeigt und die Deportation als Umsiedlungsaktion darstellt. Die Betroffenen durften Gepäck, Werkzeuge, Küchenutensilien und Lebensmittel mitnehmen, die vor Ort verladen wurden. Die gezeigten Koffer wurden den Besitzer:innen jedoch nie ausgehändigt, sondern von der Gestapo beschlagnahmt.
Der Reichsbahnzug erhielt die Sondernummer „Da 33“. Die Fahrt dauerte drei Tage, in denen die Menschen in den völlig überfüllten Waggons ausharren mussten. Der Transport erfolgte unter katastrophalen Bedingungen: Es gab kaum Lebensmittel oder Wasser und es war eisig kalt. Nach der Ankunft in Lettland auf dem Güterbahnhof Šķirotava wurden die württembergischen Juden und Jüdinnen zunächst auf das Gut Jungfernhof gebracht, das etwa 10 km südöstlich von Riga lag. Später kamen Tausende jüdische Personen aus Hamburg, Nürnberg und Wien dazu. Am 26. März 1942 wurden 1.700 bis 1.800 der Inhaftierten im Wald von Bikernieki im Rahmen der Aktion Dünamünde erschossen. Den Betroffenen war zuvor mitgeteilt worden, sie würden zum Arbeitseinsatz in die nahegelegene Konservenfabrik Dünamünde gebracht. Unter den Ermordeten befanden sich auch mehrere Hundert Juden und Jüdinnen aus dem ersten Stuttgarter Transport, von dem insgesamt nur 43 Menschen die Shoah überlebten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur versuchte Hans Max aus Südafrika Auskunft über den Verbleib seiner Mutter zu erhalten. Zu diesem Zweck stellte er am 11. Juni 1945 eine Suchanfrage an das Rote Kreuz. Dem Formular fügte er eine Nachricht für seine Mutter bei: „Am fit and well. Hoping to hear good news from you soon. Will if possible come and see you. Fondest love your son Hans.“ Ob auch Berta Kahn im Wald von Bikernieki ermordet wurde, konnte nie abschließend geklärt werden. Nach der Deportation am 1. Dezember 1941 gibt es keine Nachricht mehr von ihr. Auf Antrag ihres Bruders Ludwig Bauernfreund, der inzwischen in Tel Aviv lebte, wurde sie am 19. April 1953 durch das Amtsgericht Stuttgart für tot erklärt.
Der jüngere Bruder: Adolf Kahn
Adolf Kahn war der dreizehn Jahre jüngere Bruder von Sigmund Kahn. Er wurde am 25. Juni 1892 in Baisingen als siebtes Kind von Hirsch Marx (Zvi) und Sophie Kahn geboren. Beruflich betätigte er sich wie sein Vater und der ältere Bruder im Viehhandel. Um 1920 verlegte auch er seinen Lebensmittelpunkt nach Böblingen und zog zu seinem Bruder in die Stuttgarter Straße 10.

Zuvor diente auch Adolf Kahn als Soldat im Ersten Weltkrieg. Bereits seit 1911 war er Angehöriger der deutschen Armee und kam als Marinesoldat bis nach China. Mit dem Kriegseintritt des Deutschen Kaiserreiches am 1. August 1914 wurde er als Beobachter der Artillerie an der Front in Flandern eingesetzt. Er überlebte den Krieg und kehrte 1918 in seinen Geburtsort Baisingen zurück. Viele Jahre später schilderte sein Sohn Henry H. Kahn eine Erinnerung seines Vaters. Bei der Ankunft am Bahnhof in Horb sei er von einem Nachbarn mit den Worten „Da seid ihr ja, ihr Verräter des Vaterlandes“ begrüßt worden:
„On his way home from the railroad station in Horb, which was the closest to Baisingen, he was confronted by a neighbor who said to him: ‚There you come, you traitors to the fatherland.‘ My father’s response was a forceful punch to the neighbor’s chin, which knocked him out. So much for the welcome after having served his country for seven years.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 9. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg und die sogenannte Judenzählung
Im Ersten Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 dienten insgesamt etwa 100.000 jüdische Soldaten in der deutschen Armee; rund 78.000 von ihnen direkt an der Front. Genaue Todeszahlen sind schwer zu ermitteln, die Forschung geht jedoch von circa 12.000 gefallenen jüdischen Soldaten aus.
Jüdische Soldaten zogen 1914 vielfach mit ähnlich großer Kriegsbegeisterung und der Erwartung eines schnellen Sieges in den Krieg wie viele andere Soldaten auch. Als der deutsche Vormarsch im Westen zum Stillstand kam, die britische Seeblockade zu einem erheblichen Rohstoffmangel führte und sich die Lebensmittelversorgung dramatisch verschlechterte, fanden antisemitische Erzählungen in der deutschen Gesellschaft zunehmend Anklang. Antisemitische Kreise im Militär und im Reichstag verbreiteten den Vorwurf, jüdische Wehrpflichtige seien überproportional vom Heeresdienst befreit und entzögen sich in besonderem Maße dem Fronteinsatz. Am 11. Oktober 1916 ordnete das preußische Kriegsministerium schließlich die „Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden“ an, die sogenannte Judenzählung. Sie sollte den Anteil jüdischer Soldaten im Frontdienst statistisch erfassen. Die Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht. Zeitgenössische wie spätere Einordnungen gehen davon aus, dass sie die erhobenen Vorwürfe nicht bestätigten.
Die Anordnung löste zugleich politische Kontroversen zwischen den verschiedenen Parteien des Reichstags aus. Die Judenzählung wurde als Bruch des sogenannten Burgfriedens verstanden, unter dem die meisten Parteien im Deutschen Kaiserreich zu Beginn des Krieges ihre innenpolitischen Konflikte vorläufig zurückgestellt hatten, um die Kriegsanstrengungen zu unterstützen. In diesem Zusammenhang fiel auch der bekannte Ausspruch Kaiser Wilhelms II.: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“
Die Judenzählung verstärkte das Gefühl der Ausgrenzung unter vielen jüdischen Soldaten und wirkte in der jüdischen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches als tiefgreifender Vertrauensbruch. Die Absage an das Versprechen der Emanzipation – gleichberechtigte deutsche Staatsbürger:innen mit allen Rechten und Pflichten zu sein – löste in den jüdischen Gemeinschaften nachhaltige Verunsicherung aus. Nach 1918 wurden die Ereignisse um die Judenzählung Teil der Dolchstoßlegende nationalistischer und antidemokratischer rechter Parteien und Gruppierungen. Demnach sei das deutsche Heer nicht militärisch besiegt, sondern durch Kräfte in der „Heimat“ (darunter auch Jüdinnen und Juden) verraten worden. Diese Behauptung war falsch: Die militärische Führung selbst hatte im Herbst 1918 erkannt, dass die deutschen Streitkräfte erschöpft und nicht mehr zu einer erfolgreichen Weiterführung des Krieges fähig waren.
Die ambivalente Stellung jüdischer Soldaten zeigte sich auch in der Militärseelsorge. Anders als in Österreich-Ungarn waren Feldrabbiner im Deutschen Reich vor 1914 nicht fest etabliert. Erst seit September 1914 durften Rabbiner jüdische Soldaten seelsorgerisch betreuen, zunächst auf freiwilliger Basis und nur zögerlich von offizieller Seite anerkannt. Bis 1918 waren knapp 30 Feldrabbiner an der Front tätig. Sie organisierten Gottesdienste, insbesondere an den hohen Feiertagen, begleiteten Verwundete und Sterbende und wirkten bei Bestattungen mit. Dabei kam es mitunter zu interreligiösen Formen des Gedenkens: Gottesdienste fanden teilweise in christlichen Kirchen statt und Beerdigungen wurden gemeinsam von jüdischen, katholischen und evangelischen Geistlichen begleitet. Solche Erfahrungen konnten jüdischen Soldaten Anerkennung und Zugehörigkeit vermitteln, ohne die fortbestehende strukturelle Benachteiligung und den Antisemitismus im Heer aufzuheben.

Obwohl Adolf Kahn den Krieg überlebte, litt er nach Kriegsende unter den körperlichen Folgen seines Einsatzes, darunter heftige Magenschmerzen. Deshalb hielt er sich 1918 zu einer Kur in Bad Mergentheim auf, wo er seine spätere Ehefrau Hedwig „Hedy“ Löwenstein kennenlernte. Aufgrund seiner Krankheit willigte er zunächst nicht in eine Verlobung ein.

Nach einer späteren Überlieferung aus den Erinnerungen des Sohnes Henry H. Kahn, konnten die behandelnden Ärzte zunächst keine Ursache für seine starken Schmerzen finden. Ein wiederkehrender Schatten auf den Röntgenbildern wurde als Defekt des Geräts interpretiert. Dennoch überredete Adolf Kahn schließlich einen Arzt, ihn zu operieren. Dabei stellte sich heraus, dass sein Darm von einer Art Gift angegriffen war. Dies wurde auf den Einsatz von Giftgas zurückgeführt: Als sich die deutsche Armee bereits auf dem Rückzug befand, wurde Adolf Kahns Truppenteil mit dem chemischen Kampfstoff Yperit, dem sogenannten Senfgas, angegriffen. Zunächst unbemerkt wirkte das Gas langsam im Körper weiter und hätte vermutlich zum Tode geführt. Die Operation rettete ihm das Leben. Am 21. Juni 1921 heirateten Adolf und Hedwig Kahn.
Hedwig Kahn: „a very devout and orthodox lady“
Hedwig Kahn, geborene Löwenstein, wurde am 23. März 1896 in Frankfurt am Main geboren und stammte aus einer bürgerlichen Familie. Der Vater Moses Löwenstein war Mitinhaber eines Textil- und Lederwarenhandels namens „Löwenstein & Co.“, die Mutter Bella Löwenstein eine geborene Homburger. Aus ihrem Nachlass erhielt Hedwig zahlreiche hebräische Bücher, die später zur Ausstattung der Familie Kahn gehörten.

Hedwig Löwenstein besuchte das angesehene jüdisch-orthodoxe Lyzeum von Samson Raphael Hirsch in Frankfurt. Dort wurden neben traditioneller religiöser Bildung sowohl Jungen als auch Mädchen in weltlichen Fächern unterrichtet. Henry H. Kahn beschreibt die Kindheit seiner Mutter in späteren Jahren als sehr behütet. Sie sei eine „sehr fromme und strenggläubige Frau“ gewesen.
Ein neuer Lebensmittelpunkt: Der Umzug nach Böblingen
Nach ihrer Hochzeit zogen Hedwig und Adolf Kahn nach Böblingen. Das Haus des Bruders Sigmund Kahn in der Stuttgarter Straße 10 wurde nun auch zum Lebensmittelpunkt des Ehepaars. Henry H. Kahn erinnerte sich in seiner 2005 erschienenen Autobiografie folgendermaßen:
„My father’s brother Siegmund [sic], who was a cattle dealer, had settled in Boeblingen, a town about eight miles southwest from Stuttgart. He was married and owned a two story house at Stuttgarterstrasse 10. His family lived on the main floor and a tenant lived on the second floor. Since my father was going to join him in the business it was arranged that a third floor should be built on top, the tenants would move up, and my parents moved into the second floor. The house hat a backyard and at the end of it was a stable. There was also a garden where my mother used to plant vegetables. When we visited Boeblingen in 1968 our former home had been replaced by a bank building.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 9. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
In diesem Haus in der Stuttgarter Straße in Böblingen kam am 18. Januar 1923 der erste Sohn des Ehepaars Kahn zur Welt. Seine Eltern gaben ihm den Namen Heinz. In späteren Jahren entschied er sich jedoch für den Namen Henry, den er sein Leben lang beibehielt. Zwei Jahre später, am 6. Juni 1925, wurde der zweite Sohn Rolf Jakob geboren.

Das Überleben des Sohnes Henry H. Kahn
Vieles, was heute über die Böblinger Jahre der Familie Kahn bekannt ist, geht auf die Lebenserinnerungen des Sohnes Henry H. Kahn zurück. Ähnlich wie die Kinder seines Onkels Sigmund Kahn (seine Cousine Senta und die Cousins Heinz und Hans Max) überlebte er die Zeit des Nationalsozialismus, weil er Deutschland rechtzeitig verlassen konnte. Im Februar 1939 schickten ihn seine Eltern im Alter von 16 Jahren mit einem der Kindertransporte nach England. Zu diesem Zeitpunkt änderte er auch seinen Vornamen von Heinz zu Henry. Die folgenden Jahre glichen für den Jugendlichen einer Odyssee: Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 mussten sich alle deutschen Staatsbürger:innen, die sich in England aufhielten, bei den staatlichen Stellen melden. Auch Henry H. Kahn wurde von den britischen Behörden als sogenannter feindlicher Ausländer registriert. Dass er als Jude selbst vor der nationalsozialistischen Verfolgung geflüchtet war, spielte dabei keine Rolle. Am 3. Juli 1940 wurde er schließlich interniert, am 10. Juli 1940 verließ er mit der HMT Dunera den Hafen von Liverpool in Richtung Australien.

Nach der Ankunft in Sydney und nur einer Nacht im Internierungslager sollte Henry H. Kahn mit zwölf weiteren Männern wieder nach England zurückgebracht werden. Über die Hintergründe wurden die Betroffenen nicht informiert und auch in späteren Jahren konnte keiner der Dreizehn die Gründe für die überstürzte Rückreise herausfinden. Zu einer Rückkehr nach England kam es jedoch nicht: Nach einem Angriff auf die HMT Dunera landeten sie über Umwege in Bombay, wo Henry H. Kahn auf Intervention der Jewish Relief Association (JRA) Arbeit fand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges emigrierte er schließlich in die USA, wo er mit seiner Frau Doreen bis zu deren Tod im Jahr 2012 in New York lebte. Henry H. Kahn starb am 23. Mai 2018. In den Jahren zwischen 2014 und 2017 gab der damals bereits über 90-Jährige dem United States Holocaust Memorial Museum jedes Jahr ein Interview, in dem er von seiner Kindheit, seiner Familie, von Böblingen und Deutschland erzählte. Diese Gespräche wurden aufgezeichnet, transkribiert und sind auf der Webseite des Museums frei zugänglich.

Erinnerungen an eine Kindheit in Böblingen
In seinen Erinnerungen thematisiert Henry H. Kahn unter anderem den Beginn der Freundschaft zwischen den Familien Kahn und der Böblinger Fabrikantenfamilie Kindler (Kibri). Demnach sollen sich Hedwig Kahn und Anna Kindler bei der Geburt ihrer jeweils ersten Kinder im Krankenhaus kennengelernt haben. Wahrscheinlich handelt es sich dabei jedoch eher um eine familieninterne Erzählung, die sich faktisch nicht bestätigen lässt. Henry H. Kahn wurde zwar am selben Tag geboren wie das erste Kind von Paul und Anna Kindler, Tochter Anneliese, nämlich am 18. Januar. Es ist also möglich, dass die Kinder bzw. die Familien die Geburtstage gemeinsam gefeiert haben. Anneliese Kindler war allerdings zwei Jahre älter als Henry H., da sie bereits 1921 in Böblingen geboren wurde. Die zweitgeborenen Kinder – Ruth Kindler und Rolf Kahn – kamen wiederum beide 1925 zur Welt, jedoch an unterschiedlichen Tagen. Wie die gemeinsam erinnerte Episode von der Geburtenstation entstand und in welchem Rahmen sie innerhalb der Familien erzählt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Da die Ehepaare Kindler und Kahn tatsächlich befreundet gewesen zu sein scheinen, könnte es sich auch um eine nachträgliche Konstruktion einer gemeinsamen Vergangenheit oder eines besonders hervorgehobenen Beginns dieser Freundschaft gehandelt haben.
Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (Oral History)
Oral History ist eine geschichtswissenschaftliche Methode, die mit persönlichen Erinnerungen von Personen arbeitet, welche anhand von Interviews aufgezeichnet, gesichert und ausgewertet werden. Anders als schriftlich verfasste Lebenserinnerungen, Memoiren oder andere Selbstzeugnisse entstehen Oral-History-Quellen in einer konkreten Gesprächssituation zwischen erzählender und befragender Person. Auf diese Weise lassen sich Erfahrungen und Wahrnehmungen erfassen, die in schriftlichen Quellen häufig kaum sichtbar werden. Besonders wichtig sind Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen daher für Alltagsgeschichte, Erfahrungsberichte und für die Frage, wie Menschen historische Ereignisse erlebt und später erinnert haben.Diese Gespräche sind nicht als unmittelbare Abbildung der Vergangenheit zu verstehen. Aufgrund neuronaler Vorgänge sind Erinnerungen immer selektiv, weil das Gehirn Vergangenes nicht vollständig speichert, sondern Informationen bereits bei der Aufnahme filtert. Beim späteren Abruf werden Erinnerungen immer wieder neu zusammengesetzt, mit nachträglichem Wissen vermischt und durch persönliche Erfahrungen sowie gesellschaftliche Erinnerungskulturen geprägt. Auch häufiges und wiederholtes Erzählen kann ursprüngliche Erlebnisse verändern. Solche Gespräche müssen deshalb quellenkritisch behandelt werden. Das bedeutet: Sie erfordern eine gute Vorbereitung, offene und möglichst nicht lenkende Fragen, eine sorgfältige Dokumentation sowie eine Einordnung in den historischen Kontext. Aussagen aus Interviews sollten nicht isoliert verwendet, sondern mit anderen Quellen verglichen werden. Ebenso wichtig sind Transparenz, Einverständnis und ein sensibler Umgang mit belastenden Themen. Der besondere Wert der Oral History liegt daher gerade in der reflektierten Auswertung der Perspektivität von erinnernden Erzählungen.Für die jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts und insbesondere für die Shoah und ihre Nachgeschichte, sind Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von zentraler Bedeutung. Aufgezeichnete Interviews mit Überlebenden überliefern individuelle Sichtweisen auf Verfolgung, Ausgrenzung, Flucht, Verlust und Neubeginn und machen diese Erfahrungen aus der Sicht der Betroffenen zugänglich. In vielen anderen Quellen werden diese kaum sichtbar und treten hinter der Perspektive von Behörden und Täterinnen bzw. Tätern zurück. Die Oral History ermöglicht somit eine aktive Auseinandersetzung mit der Shoah und der Nachkriegsgeschichte.Das Konzept der Zweitzeuginnen und Zweitzeugen knüpft daran an, gehört aber nicht zur Oral History im engeren Sinn. Sie bringen keine eigenen Erstzeugnisse hervor, sondern hören die Berichte von Überlebenden, setzen sich mit ihnen auseinander und tragen sie weiter. Dass es Zweitzeuginnen und Zweitzeugen braucht, hängt vor allem damit zusammen, dass immer weniger Überlebende selbst öffentlich sprechen können, ihre Perspektiven für historische Bildung und Erinnerungskultur aber unverzichtbar bleiben. Zweitzeuginnen und Zweitzeugen sollen diese Stimmen daher nicht ersetzen, sondern geben sie verantwortungsvoll weiter und halten sie für folgende Generationen präsent.
Aufgrund der engen Freundschaft zwischen den Familien erhielten auch die Kinder der Kahns Spielzeuge aus der Produktion der Firma Kindler & Briel (kibri). Henry H. Kahn erinnert sich noch viele Jahre später an das Raketenauto mit kleinen Raketen, die angezündet werden konnten, um das Fahrzeug anzutreiben. Er erwähnte außerdem einen Kaufmannsladen mit Miniaturen von Lebensmitteln, einer kleinen Waage mit diversen Gewichten und einem in blaues Papier eingewickelten Zuckerhut. Auch an ein großes Schaukelpferd, eine Dampflokomotive und einen bunten Papageien konnte er sich erinnern.
Die Väter Adolf Kahn und Paul Kindler trafen sich regelmäßig am Sonntagmorgen in einem Gasthof und auch sonst besuchten sich die Familien häufig gegenseitig: die Eltern zu gemeinsamen Gesprächen, die Kinder zum Spielen. Was Henry H. Kahn in seiner Autobiografie The silver candle holders schildert, ist das Bild einer glücklichen Kindheit und einer intakten Familie. Seine Heimatstadt Böblingen beschreibt er folgendermaßen:
„In the center of the town of Boeblingen was a tavern, named the ‚Post‘, a Catholic and a Protestant church, and almost next to those buildings was a lake. In winter time, when the lake had been frozen solid, men came with augers and big saws to cut blocks out of the ice. These blocks were stored in a well-insulated ice house. The ice was used throughout the year during the brewing process for Dinkelacker Beer. This brand is still sold today, although i am sure they have modern refrigeration by now.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 10. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Zu den jüdischen Feiertagen fuhr die Familie Adolf Kahns nach Stuttgart. Anders als sein älterer Bruder Sigmund, der sich auch nach seinem Umzug nach Böblingen weiterhin der Baisinger Gemeinde zugehörig fühlte, waren Adolf und Hedwig Kahn Teil der jüdischen Gemeinschaft im näher gelegenen Stuttgart.
Der Verein württembergischer und hohenzollerischer Viehhändler
Im Laufe der 1920er Jahre, wahrscheinlich um 1923, wurde Adolf Kahn zum Vorsitzenden des Vereins württembergischer Viehhändler gewählt. Dieser war bereits im Jahr 1891 gegründet worden und gehörte dem Bund deutscher Viehhändler an; die Geschäftsstelle befand sich in Cannstatt. Erst 1926 schlossen sich die württembergischen und hohenzollerischen Viehhändler zu einem gemeinsamen Verbund zusammen. Im selben Jahr wurde auch die Süddeutsche Viehhandels-Zeitung gegründet.
Bevor Adolf Kahn die Wahl und damit das Amt annahm, stellte er Bedingungen. Er handelte aus, weder an Samstagen (also dem jüdischen Ruhetag Schabbat) noch an den jüdischen Feiertagen arbeiten zu müssen. Nur so konnte er als praktizierender orthodoxer Jude sicherstellen, dass sich der angetragene Posten mit seinen religiösen Pflichten vereinbaren ließ. Henry H. Kahn erinnerte sich:
„From that time on, every weekday morning my father commuted to Stuttgart, where the head office of the association was located. I know very little about my father’s work; however, what I do recall was that he arranged for a periodic publication for the members and also a unique life insurance system. Whenever a member died the whole membership was obliged to contribute an amount of money, which then was given to the survivor.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 11. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Nach der Machtübertragung an Adolf Hitler am 30. Januar 1933 und den Reichstagswahlen vom 05. März 1933 wurde der Verein württembergischer und hohenzollerischer Viehhändler zügig und konsequent arisiert. Sämtliche jüdische Viehhändler wurden aus ihren Posten gedrängt. Auch Adolf Kahn musste seine Arbeit gezwungenermaßen aufgeben. In der Ausgabe der Süddeutschen Viehhandels-Zeitung vom 31. März 1933 erklärte er öffentlich seinen Rücktritt mit folgenden Worten:
Der Umzug nach Stuttgart
Bereits drei Jahre zuvor, im Jahr 1930, waren Adolf und Hedwig Kahn mit ihren beiden Kindern in die Alexanderstraße 27 nach Stuttgart gezogen. Der Umzug hing vermutlich mit der Einschulung des ältesten Sohnes und dem Wunsch der Eltern zusammen, näher bei einer jüdischen Gemeinde zu wohnen. Henry H. Kahn wurde Schüler an der Freien Waldorfschule im damaligen Kanonenweg, der heutigen Freien Waldorfschule Uhlandshöhe in der Haußmannstraße 44. Auch der jüngere Bruder Rolf besuchte dort noch 1931 die erste Klasse. 1932 starb er im Alter von nur sieben Jahren infolge einer nicht ausgeheilten Mittelohrentzündung.
„Unfortunately and very sadly, on Passover when my brother Rolf was supposed to enter the second grade, he died of mastoid (middle ear infection). […] Rolf was buried at the Prague Cemetery in Stuttgart on the first day of Passover. After the initial mourning period, a memorial assembly was arranged by the Waldorf School. I do not remember any details but I do recall that I was sitting in the front row, next to my parents, and many teachers spoke very movingly about my brother Rolf. This was a deep shock which my dear parents suffered at that time, but it was only the first of many that would follow, almost one after the other.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 16. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Nach dem Verlust von Adolf Kahns Stellung beim Verein württembergischer und hohenzollerischer Viehhändler im März 1933 verschlechterte sich neben der privaten Tragödie auch die wirtschaftliche Lage der Familie. Als sich für ihn die Möglichkeit ergab, in Köln einen (Sperr-)Holzhandel zu übernehmen, entschlossen sich Adolf und Hedwig 1935 für einen erneuten Umzug.
Deportation und Ermordung
Die folgenden Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und zunehmenden Bedrohung erlebte die Familie Kahn in Köln. Hedwig Kahn versuchte bereits früh, ihren Mann von einer Flucht aus Deutschland zu überzeugen und traf entsprechende Vorbereitungen.
„From 1933 on, my mother tried very hard, unfortunately in vain, to get our family to emigrate. She did everything possible to convince my father to leave Germany. In order to prepare ourselves for emigration she took courses in making chocolates, sewing neck ties, sewing shirts and I don’t know what else. For whatever reason, my father did not want to leave Germany.“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 19. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Hedwig Kahn hielt auch Kontakt zu Verwandten im Ausland, vor allem in England und den USA, um auf diesem Weg Möglichkeiten zur Ausreise zu erwirken. Sie scheiterte jedoch an der tiefen Bindung ihres Mannes an Deutschland.
Im Zuge der Reichspogromnacht begannen am frühen Morgen des 10. November 1938 auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei, Reinhard Heydrich, Massenverhaftungen insbesondere jüdischer Männer. Das ausdrückliche Ziel war es, möglichst viele Juden festzunehmen und in die Konzentrationslager zu deportieren. Dabei sollten vor allem gesunde, jüngere und vergleichsweise wohlhabende Juden verschleppt werden. Dass die nationalsozialistischen Behörden, Polizei- und Gestapostellen dabei mit festen Kontingenten und geplanten Mindestverhaftungen arbeiteten, wurde auch bei der Festnahme von Adolf Kahn deutlich. Er fragte den Polizisten, der ihn verhaftete, was dieser denn getan hätte, wenn er nicht zu Hause gewesen wäre. Daraufhin habe der Polizist lakonisch geantwortet: „Wir wären zu deinem Nachbarn gegangen, der ebenfalls Jude ist und hätten ihn verhaftet, um unsere Quote zu erfüllen“. Adolf Kahn wurde in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.
Wie ein Großteil der verhafteten jüdischen Männer wurde auch Adolf Kahn knapp vier Wochen später wieder entlassen. Auf der Schreibstubenkarte des Konzentrationslagers Dachau ist der 7. Dezember 1938 als Entlassungsdatum vermerkt. Das Ziel dieser kurzzeitigen Deportationen bestand darin, den Druck auf die Verhafteten und ihre Familien zu erhöhen und sie zu einer raschen Flucht zu zwingen. In der Folge bemühten sich die Kahns noch stärker darum, ihren Sohn in Sicherheit zu bringen. Im Februar 1939 konnte Henry H. Kahn mit einem der Kindertransporte nach England gebracht werden. Adolf und Hedwig Kahn bereiteten zugleich ihre eigene Flucht in die Vereinigten Staaten vor. Die letzte Nachricht von ihnen ist eine Antwort auf den Brief eines Freundes ihres Sohnes, Eric Levy (Lynn), vom 23. Januar 1941. Da sich Deutschland und England zu diesem Zeitpunkt bereits im Krieg befanden, konnte Henry H. seine Eltern nicht selbst kontaktieren. Eric Levy bemühte sich jedoch von den USA aus um einen Kontakt zu den Kahns in Deutschland und übermittelte ihnen die Nachricht, dass ihr Sohn in Sicherheit wäre und es ihm gut gehe. In ihrem Antwortbrief reagierten Adolf und Hedwig Kahn mit großer Erleichterung. Zugleich zeigt das Schreiben deutlich, wie sehr sie weiterhin auf eine Ausreise hofften:
„[…] You can’t believe how happy your letter made us, since we had not heard for months from our dear boy. We want to thank you from the bottom of our hearts for your kind letter. […] Your dear lines have brought Heinz again closer to us and perhaps you will be able to convey to us further news. […] Considering the circumstance, we are also ok. Thank God, we are healthy and that is the main thing. We place our total hope on being able to make a change very soon, especially since the immigration to the USA lately has been made a little easier. However it is enormously difficult for the people in America to satisfy the requirements of the Consulates. You would do us a great favor, if you have the time and leisure, to get in touch with Helmuth, whom you probably know as Heinz’s cousin. He is interested in our emigration; however, he apparently is not fully aware of the situation. […] Dear Eric, in the hope to receive again good news from you shortly, we wish you, also for the future the most imaginable very best and thank you again for your dear and good message. Greet Heinz from us a thousand times with our lines. With our highest regards, Yours, Adolf Kahn and wife“
Henry H. Kahn in seiner Autobiografie „The silver candle holders“, Seite 41-42. URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).
Im Oktober 1941 verbot das NS-Regime die legale Ausreise aus dem Deutschen Reich, kurz darauf begannen die Großen Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Auch die USA verschärften ihre Einreisebedingungen, spätestens mit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg wurde eine Flucht dorthin praktisch unmöglich. Adolf und Hedwig Kahn wurden am 22. Oktober 1941 mit dem ersten Transport aus dem Einzugsbereich der Gestapo Köln in das Ghetto Łódź deportiert. Adolf Kahn starb dort am 7. Dezember 1943. Hedwig Kahn wurde später in das Vernichtungslager Chełmno verschleppt, wo das Sonderkommando Kulmhof im Sommer 1944 innerhalb von drei Wochen mehr als 10.000 Juden und Jüdinnen in Gaswagen tötete. Hedwig Kahn war eine von ihnen, als offizielles Todesdatum gilt der 23. Juni 1944. Adolf und Hedwig Kahn wurden beide in der Shoah ermordet.
Das Haus in der Stuttgarter Straße 10
Der Lebensmittelpunkt der Familie Kahn in Böblingen war das Haus in der Stuttgarter Straße 10 nahe des Postplatzes. Wann genau Sigmund Kahn nach Böblingen zog, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Unklar ist auch, ob er die Haushälfte auf der linken Seite mit der Hausnummer 10 während seiner Zeit in der Stadt nur mietete oder später erwarb und sie damit in seinen Besitz überging. Erst nach 1920 zog auch sein Bruder Adolf mit seiner Frau Hedwig in die Stuttgarter Straße.
Ursprünglich handelte es sich dabei um zwei eigenständige Wohnhäuser, die nachträglich eine gemeinsame Überdachung erhielten. Seit dem 1. April 1903 waren die beiden Anwesen mit den damaligen (alten) Hausnummern 423 und 437 an die Aktienbrauerei Zahn vermietet. Eigentümerin war die Firma Moritz Marx Söhne in Bruchsal, die in Böblingen meist durch ihren Verwalter Simon Löb vertreten wurde. Mit der Vermietung verzichtete die Eigentümerin zugleich auf die bestehende Wirtschaftskonzession für den Standort. Die Aktienbrauerei Zahn beantragte daraufhin die Erlaubnis zum Ausschank von Bier und Branntwein sowie die Übertragung der entsprechenden Konzession. Außerdem sollte der Bierbrauer Jakob Friedrich Jäger weiterhin als Wirtschaftsführer für die Wirtschaft im Haus Nr. 423 eingesetzt werden. Er war bereits seit 1902 Pächter der Wirtschaft, nachdem sich die vorherigen Wirtschaftsleute, das Ehepaar Johann und Rosine Bögel, eines Vertragsbruchs schuldig gemacht hatten und ihr Pachtvertrag aufgelöst worden war. Die Wirtschaft im Haus Nr. 437 wurde zumindest zeitweilig von der Witwe Sophie Reitter geführt. Jakob Jäger erhielt eine Provision auf jeden ausgeschenkten Liter Bier und Spirituosen und durfte außerdem kostenfrei in der dazugehörigen Wohnung im Haus wohnen.
Nach der Insolvenz der Aktienbrauerei Zahn ging die Wirtschaftserlaubnis im Jahr 1919 an die Viehhändler Sigmund und Adolf Kahn über, die ihrerseits Jakob Jäger als Pächter bestätigten. Im Erdgeschoß des rechten Hausteils befanden sich die zwei Schankräume der Wirtschaft. Ob die Häuser zu diesem Zeitpunkt noch immer der Firma Moritz Marx Söhne Bruchsal gehörten, lässt sich aus der erhaltenen Akte zur Wirtschaftserlaubnis nicht entnehmen.
Hinter dem Haus befand sich ein Garten mit Scheune und Stall, die den beiden Viehhändlern bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten dienten. Henry H. Kahn wiederum erinnerte sich, dass seine Mutter Hedwig Kahn im Garten verschiedene Gemüsesorten anbaute. In späteren Jahren wurden die Gebäude im Hof mehrfach erneuert und umgebaut, sie dienten als Lagerhaus oder Garage. Eine Fotografie aus späterer Zeit bestätigt den von Henry H. Kahn angesprochenen Umbau des Hauses und den Ausbau des Dachgeschosses.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Haus nachweislich dem Kaufmann Wilhelm Fischer, der eine Landesprodukten- und Düngemittelgroßhandlung betrieb. Allerdings existieren keine gesicherten Erkenntnisse, wann das Gebäude in seinen Besitz überging. Zu Beginn der 1960er Jahre wurde es abgerissen und durch einen Neubau für ein Bankgebäude ersetzt. Als Henry H. Kahn 1968 seine Geburtsstadt Böblingen besuchte, existierte sein Geburtshaus bereits nicht mehr.
Grundbesitz in Böblingen und die Restitution nach 1945
Abgesehen von dem Wohnhaus mit Stall und Garten in der Neuen Stuttgarter Straße 10, das sehr wahrscheinlich nur gemietet war, besaß Sigmund Kahn nachweislich auch Grundbesitz in Böblingen. Im Jahr 1950 richtete die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) eine Anfrage an das Bürgermeisteramt in Böblingen. Die JRSO war eine im Jahr 1948 in New York gegründete jüdische Nachfolgeorganisation, die in der Bundesrepublik Deutschland erbenloses oder nicht zurückgefordertes Eigentum von in der NS-Zeit verfolgten oder ermordeten Jüdinnen und Juden geltend machte. Erlöse wurden zugunsten von Überlebenden und für den Wiederaufbau jüdischen Lebens verwendet. Zugleich unterstützte die Organisation überlebende Erb:innen bei der Durchsetzung von Restitutionsansprüchen, also der Rückübertragung entzogener Vermögenswerte.
Bei der Anfrage ging es um einen Anspruch auf Rückerstattung in Form einer Ausgleichszahlung für drei Grundstücke, die sich vor 1945 im Besitz von Sigmund Kahn befunden haben müssen. Die JRSO vertrat dabei dessen Erb:innen und stand in Ausgleichsverhandlungen mit dem damaligen Eigentümer, dem Landwirt Karl Schrader. Aus den wenigen erhaltenen Schreiben im Stadtarchiv Böblingen lässt sich leider nicht entnehmen, wie diese Verhandlungen ausgingen und auf welche Entschädigungszahlungen sich die Beteiligten schließlich einigten. Sicher ist jedoch, dass das Regionalbüro der JRSO in Stuttgart auch die städtischen Stellen in Böblingen einbezog, um den tatsächlichen Wert der Grundstücke feststellen zu können. Ebenfalls unklar bleibt, unter welchen Umständen die Grundstücke an Karl Schrader veräußert wurden. Da Sigmund Kahn bereits 1928 verstorben war, müssen seine Frau Berta Kahn oder die gemeinsamen Kinder als eingesetzte Erb:innen die Grundstücke noch während der NS-Herrschaft veräußert haben. Häufig geschah dies unter Zwang und meist erzielten solche „Verkäufe“ einen Preis, der deutlich unter dem tatsächlichen Verkehrswert lag. Auch ein Entzug der Grundstücke durch Enteignungen oder zwangsweise Übertragung ist denkbar. Die im Schreiben angegebenen Wiesenparzellen im Thomaried befinden sich heute im Süden Böblingens, oberhalb des Gansseegrabens am Waldrand. Das Grundstück im First liegt ebenfalls am Waldrand, oberhalb des Furtbachs neben dem Röhrer Weg.
Literatur
Asmuss, Burkhard / Leicht, Johannes, Die Judenzählung von 1916, in: DHM (Deutsches Historisches Museum Berlin), URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/innenpolitik/judenzaehlung-1916 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Kahn, Fredy, Die Geschichte der Familie Kahn im Judendorf Baisingen. Heimat über zehn Generationen, in: Trautwein, Torsten (Hrsg.), Jüdisches Leben im Nordschwarzwald, Neulingen 2022, Seite 561 – 575.
Quellen
Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS) J 386 Bü 67 (Familienbuch Baisingen, Rottenburg am Neckar).Stadtarchiv Böblingen A 15 Nr. 448 (Wiedergutmachung).Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL) EL 350 I Bü 13763 (Berta Kahn, geb. Bauernfreund).Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL) EL 350 I Bü 59967 (Heini Kahn).
Materialien
Belschner, Sandra, Massendeportationen von Juden: Mutter und Tochter im Sonderzug in den Tod (Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 28.11.2024), URL: https://www.stolpersteine-stuttgart.de/presse/massendeportation-von-juden-mutter-und-tochter-im-sonderzug-aus-stuttgart-in-den-tod/ (letzter Zugriff am 26.03.2026).Dehn, Peter, „Entsorgt“ in Bombay, URL: https://dunera.de/entsorgt-in-bombay/ (letzter Zugriff am 31.03.2026).Hoffmann, Michael / Lotterer, Jürgen / Müller, Roland, „Reichskristallnacht“ – der Pogrom im November 1938 in Stuttgart. Ein Quellen- und Arbeitsbuch für den Geschichtsunterricht (Sonderveröffentlichung des Archivs der Stadt Stuttgart), Archiv der Stadt Stuttgart, Stuttgart 2008, URL: https://www.stuttgart.de/medien/ibs/web-quellenheft-reichskristallnacht-stadtarchiv-100dpi.pdf (letzter Zugriff am 01.04.2026).Informationen zum Transport, Zug Da 33 von Stuttgart (Württemberg/Deutschland) nach Riga (Lettland) am 01.12.1941, Yad Vashem – Internationale Holocaust-Gedenkstätte, URL: https://collections.yadvashem.org/en/deportations/9437986 (letzter Zugriff am 26.03.2026).Kahn, Dr. Fredy, Vortrag über die Geschichte der Familie Kahn aus Baisingen am 23.04.2025 in der IRGW Stuttgart, URL: https://youtu.be/0LJZtxclANM?si=Wq1Wn5pl6uqxkvXI (letzter Zugriff am 23.03.2026).Kahn, Henry H., The silver candle holders. Autobiography and Background of Henry H. Kahn, United States Holocaust Memorial Museum, Bethesda 2005, URL: https://archive.org/details/bib126252_001_001 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Oral history interview with Henry H. Kahn (03. July 2014). United States Holocaust Memorial Museum, First Person Series (RG-50.999.0482), URL: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn598595 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Oral history interview with Henry H. Kahn (25. June 2015). United States Holocaust Memorial Museum, First Person Series (RG-50.999.0524), URL: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn598637 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Oral history interview with Henry H. Kahn (22. June 2016). United States Holocaust Memorial Museum, First Person Series (RG-50.999.0569), URL: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn598682 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Oral history interview with Henry H. Kahn (30. March 2017). United States Holocaust Memorial Museum, First Person Series (RG-50.999.0580), URL: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn598702 (letzter Zugriff am 30.03.2026).Riederer, Günter, Maskerade der Gewalt – Der Film über die Deportation der jüdischen Bevölkerung in Stuttgart 1941 (Archiv0711 – Blog des Stadtarchivs Stuttgart), URL: https://archiv0711.hypotheses.org/4203 (letzter Zugriff am 06.04.2026).Stingele, Harald / Kahn, René, Artikel zu Berta, Hans Max und Heinz Kahn sowie Senta und Walter Schwarz auf der Homepage der Stolperstein-Initiative Stuttgart, URL: https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/berta-hans-max-und-heinz-kahn-sowie-senta-und-walter-schwarz-saengerstr-8/ (letzter Zugriff am 26.03.2026).Süddeutsche Viehhandels-Zeitung. Organ des Vereins württembergischer und hohenzollerischer Viehhändler, des Vereins badischer Viehhändler und des Vereins württembergischer Pferdehändler (Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Signatur: ZV 6005 1927 – 1930).




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