Im Stadtarchiv wird die Stadtgeschichte Böblingens weiter erforscht und aufgearbeitet. In der Chronik sind bedeutende Wegmarken der Böblinger Geschichte aus den einzelnen Jahren seit der Frühzeit kurz und knapp aufgelistet. Die Einblicke in die Stadtgeschichte hingegen beleuchten historische Themen, markante Episoden und besondere Vorkommnisse in kleinen, gut recherchierten Ausarbeitungen. Die großen Themenmodule setzen inhaltliche Schwerpunkte und bieten Recherchebefunde, verständliche Hintergrundinformationen und spannendes Quellenmaterial.

Eine kurze Geschichte Böblingens vom Mammutzahn zum Mikrochip:

Gezeichnete Darstellung von Böblingen und Dagersheim Ende des 17. Jahrhunderts von Andreas Kieser (Bild: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 107/3, Bl. 3 und 5).]

Die Geschichte Böblingens als auch Dagersheims reicht bis weit in die Vergangenheit.

Im Jahr 1272 ist Böblingen Sitz einer Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen, auf die die Stadtgründung zurückgeht. Die Anlage der heutigen Altstadt in Form eines halben Ovals um den Schlossberg beruht auf deren Planung. Die Besiedlung des Böblinger Raumes reicht zurück in die Altsteinzeit (ca. 25.000 – 20.000 v. Chr.).

Reste eines hier gefundenen Mammuts zeigen die Einwirkung von Menschenhand. Besiedlungsspuren und Hügelgräber zeugen von der Bronzezeit (ca. 1.100 v. Chr.) und der Keltenzeit (ca. 400 v. Chr.)

Schriftliche Überlieferungen beginnen im Hochmittelalter um 1.100 n. Chr.: „Bebelingen“ erscheint damals als Name eines alemannischen Adelsgeschlechts. Auf die Alemannen weist die Endsilbe -ingen im Namen von Böblingen. Der erste Teil des Stadtnamens wird mit einem Adeligen namens „Bobilo“ in Verbindung gebracht.

Der Grüne Turm, heute historisches Denkmal der Stadt, ist seit dem 16. Jahrhundert Teil der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung (Bild: Stadtarchiv Böblingen).]

Bereits im 14. Jahrhundert geht die Herrschaft der Tübinger Pfalzgrafen zu Ende. Wirtschaftlicher Niedergang zwingt die Böblinger Seitenlinie, die Stadt 1344 bzw. 1357 an die Grafen von Württemberg zu veräußern. Auf dem Schloss in Böblingen residierten zeitweilig Fürstinnenwitwen, später ist es Mittelpunkt von Jagdgesellschaften.

Die Stadt Böblingen ist fortan Verwaltungsmittelpunkt eines württembergischen „Amtes“ bzw. ab 1759 „Oberamtes“, aus denen sich später die Landkreise entwickeln. Künstlerische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/13 Nr. 255).]

Im sogenannten „Bauernkrieg“ wird Böblingen zum Schlachtenstandort, an dem die Aufständischen eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen des Schwäbischen Bundes erfahren. Im grausamen Dreißigjährigen Krieg halbiert sich die Böblinger Bevölkerung drastisch auf rund 450 Einwohner zur Mitte des 17. Jahrhunderts.

Die Heiligenbilder im mittelalterlichen Chorgewölbe der Dagersheimer Kirche zeigen noch heute die um Beistand angerufenen Schutzpatrone (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/11 Nr. 217).
Im weiterhin landwirtschaftlich geprägten Böblingen werden im 19. Jahrhundert erste Industrieunternehmen gegründet, darunter die 1857 die Zuckerfabrik auf der gegenüberliegenden Seite des Unteren Sees an der heutigen Parkstraße.]

Mit dem Aufbruch ins Industriezeitalter entwickelt sich das vormals in Zünften organisierte Handwerk auch in Böblingen technisch weiter. Die ständisch geprägte Gesellschaft muss sich sowohl mit zunehmender Verarmung großer Bevölkerungsteile auseinandersetzen als auch mit sich wandelnden politischen Vorstellungen über ein modernes Staatswesen. Im aufkommenden Zeitungswesen etabliert sich ab 1825 der „Böblinger Bote“.






Den entscheidenden Impuls erhält die Böblinger Industrieentwicklung mit dem Eisenbahnbau im Jahr 1879. Damit einher geht die Ausweisung neuer Industriegebiete. Schon 1886 siedelt sich unter anderem die „Mechanische Trikotweberei Ludwig Maier & Cie.“, die spätere „Hautana“, an. Zu den im Laboratorium des Apothekers Bonz entwickelten chemischen Erzeugnissen gehörte ein überregional bedeutende Narkoseäther.

Kolorierte Postkarten erzählen: Böblingen ist mit dem Sanatorium Schönbuch ein vielbesuchter Luftkurort für Gäste von Nah und Fern (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/1 Nr. 447, Druck von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, nach einem Bild von K. Ewens, vor 1905)
Im Ersten Weltkrieg wird auf der Fläche des heutigen Stadtteils „Flugfeld“ am 16. August 1915 der Böblinger Militärflugplatz eingeweiht (Bild: Stadtarchiv Böblingen).

Als ziviler Landesflughafen Stuttgart-Böblingen wird der Flugplatz 1925 zur „Brücke zur Welt“, bevor die Nationalsozialisten ihn erneut für Kriegszwecke 1939 militarisieren. Unter dem Hakenkreuz werden auch in Böblingen Menschen drangsaliert, verfolgt und der Ermordung ausgeliefert.

Am Rande des Flugplatzes errichtet der Böblinger Luftfahrtpionier Dr. Hanns Klemm (1885-1961) im Jahr 1928 seine schon kurz zuvor gegründete Firma „Leichtflugzeugbau Klemm“. Diese wurde bis in den Zweiten Weltkrieg hinein wichtigster Industriebetrieb der Stadt. Gerahmter Druck aus dem Jahr 1941 (Stadtarchiv Böblingen E 4/14 Nr. 3).]

Die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg haben zur Folge, dass bei Kriegsende ca. 40 % der bebauten Fläche zerstört und nahezu 2.000 Menschen obdachlos sind. Der größte Teil der Altstadt mit der Stadtkirche, dem Schloss und dem Rathaus liegen in Schutt und Asche.

Die Grausamkeit von Krieg: Beim Luftangriff der Alliierten in der Nacht vom 7./8. Oktober 1943 sterben zahlreiche Menschen, viele sind verletzt und ohne Dach über dem Kopf. Hier eine Menschengruppe am vor den Ruinen des Marktplatzes (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/13 Nr. 561).]

Nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 beginnt ein dynamischer Wiederaufbau in der von Migration und Wohnungsnot bewegten Nachkriegsgesellschaft: Sowohl Kriegsrückkehrer, Flüchtende und „Deplaced Persons“ als auch später sogenannte „Gastarbeiter“ tragen zu einer Einwohnerzahl bei, die sich innerhalb von nur zwei Jahrzehnten verdreifacht (1950: 12.600; 1970: 37.500).

Der Stadtplan von 1961 zeugt vom Wachstum der Stadt (Bild: Stadtarchiv Böblingen).
Naherholung im 1953 angelegten modernen Freibad (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/1 Nr. 259, Kunst- und Verlagsanstalt A. Hermann & Co., Stuttgart)
Die Verwaltungsreformen der 1970er in Baden-Württemberg befördern den Zusammenschluss von Böblingen und Dagersheim 1971. Zwischen Bau des Waldstadions und Abtretung der Hulb geht die gemeinsame Annäherung langsam voran. Hier eine Vorführung am Sportplatz zum 75-jährigen Jubiläum des TSV Dagersheim 1983 (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/11 Nr. 1413, Foto: Birkner).

Mit der Ansiedlung technologie-orientierter Firmen wie IBM (1949) und Hewlett-Packard (1959) sowie von mittelständischen Betrieben, die sich seit den siebziger Jahren vor allem auch auf der „Hulb“ niederlassen, setzt ein stürmisches Wirtschaftswachstum ein. Mit der blühenden Konsumgesellschaft wird Böblingen mit seinen großen Einkaufscentern zur „Einkaufsstadt“ - einem Image, vom dem man sich zum Ende des Jahrtausends abwendet. Das kulturelle Interesse bedienen seit den 1980er Jahren auch die neu gegründeten städtischen Museen, die groß angelegte Landesgartenschau in Böblingen 1996 und Festivals wie der „Sommer am See“.

In der Böblinger Sporthalle treten die Größen des Showbusiness auf, von „Wetten, dass…?“ über die Kastelruther Spatzen zu Aerosmith. Auch zur Olympiade 1972 findet das Hallenhandballturnier zwischen Deutschland und der Sowjetunion in der Böblinger Sporthalle ein begeistertes Publikum (Bild: Stadtarchiv Böblingen E 2/7 Nr. 2998).
Die Bürgerinitiative „Das bessere Müllkonzept“ organisiert im März 1994 eine Großdemonstration am Böblinger Marktplatz. Im Raum steht die Frage, ob die Müllverbrennung im Restmüllheizkraftwerk der Weg in die Zukunft ist (Stadtarchiv Böblingen, E 2/7 Nr. 2009, Foto: Stampe).

Mit dem Millennium entsteht auf dem Flugfeldareal ein Stadtteil der beiden benachbarten Städte Böblingen und Sindelfingen, der moderne Lebensweisen zwischen Arbeitsplätzen und Freizeiteinrichtungen ermöglichen soll. Die Gesellschaft bearbeitet, diskutiert und (re-)formuliert Fragen zu Umwelt- und Klimaschutz, zur städtischen Mobilität neben dem stauträchtigen Automobil, zur Erinnerungskultur und zu sozio-politischen Herausforderungen in einer global vernetzten Gesellschaft.