Im Stadtarchiv wird die Stadtgeschichte Böblingens weiter erforscht und aufgearbeitet. In der Chronik sind bedeutende Wegmarken der Böblinger Geschichte aus den einzelnen Jahren seit der Frühzeit kurz und knapp aufgelistet. Die Einblicke in die Stadtgeschichte hingegen beleuchten historische Themen, markante Episoden und besondere Vorkommnisse in kleinen, gut recherchierten Ausarbeitungen. Die großen Themenmodule setzen inhaltliche Schwerpunkte und bieten Recherchebefunde, verständliche Hintergrundinformationen und spannendes Quellenmaterial.
Eine kurze Geschichte Böblingens vom Mammutzahn zum Mikrochip:

Die Geschichte Böblingens als auch Dagersheims reicht bis weit in die Vergangenheit.
Im Jahr 1272 ist Böblingen Sitz einer Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen, auf die die Stadtgründung zurückgeht. Die Anlage der heutigen Altstadt in Form eines halben Ovals um den Schlossberg beruht auf deren Planung. Die Besiedlung des Böblinger Raumes reicht zurück in die Altsteinzeit (ca. 25.000 – 20.000 v. Chr.).
Reste eines hier gefundenen Mammuts zeigen die Einwirkung von Menschenhand. Besiedlungsspuren und Hügelgräber zeugen von der Bronzezeit (ca. 1.100 v. Chr.) und der Keltenzeit (ca. 400 v. Chr.)
Schriftliche Überlieferungen beginnen im Hochmittelalter um 1.100 n. Chr.: „Bebelingen“ erscheint damals als Name eines alemannischen Adelsgeschlechts. Auf die Alemannen weist die Endsilbe -ingen im Namen von Böblingen. Der erste Teil des Stadtnamens wird mit einem Adeligen namens „Bobilo“ in Verbindung gebracht.
Bereits im 14. Jahrhundert geht die Herrschaft der Tübinger Pfalzgrafen zu Ende. Wirtschaftlicher Niedergang zwingt die Böblinger Seitenlinie, die Stadt 1344 bzw. 1357 an die Grafen von Württemberg zu veräußern. Auf dem Schloss in Böblingen residierten zeitweilig Fürstinnenwitwen, später ist es Mittelpunkt von Jagdgesellschaften.
Im sogenannten „Bauernkrieg“ wird Böblingen zum Schlachtenstandort, an dem die Aufständischen eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen des Schwäbischen Bundes erfahren. Im grausamen Dreißigjährigen Krieg halbiert sich die Böblinger Bevölkerung drastisch auf rund 450 Einwohner zur Mitte des 17. Jahrhunderts.
Mit dem Aufbruch ins Industriezeitalter entwickelt sich das vormals in Zünften organisierte Handwerk auch in Böblingen technisch weiter. Die ständisch geprägte Gesellschaft muss sich sowohl mit zunehmender Verarmung großer Bevölkerungsteile auseinandersetzen als auch mit sich wandelnden politischen Vorstellungen über ein modernes Staatswesen. Im aufkommenden Zeitungswesen etabliert sich ab 1825 der „Böblinger Bote“.
Den entscheidenden Impuls erhält die Böblinger Industrieentwicklung mit dem Eisenbahnbau im Jahr 1879. Damit einher geht die Ausweisung neuer Industriegebiete. Schon 1886 siedelt sich unter anderem die „Mechanische Trikotweberei Ludwig Maier & Cie.“, die spätere „Hautana“, an. Zu den im Laboratorium des Apothekers Bonz entwickelten chemischen Erzeugnissen gehörte ein überregional bedeutende Narkoseäther.
Als ziviler Landesflughafen Stuttgart-Böblingen wird der Flugplatz 1925 zur „Brücke zur Welt“, bevor die Nationalsozialisten ihn erneut für Kriegszwecke 1939 militarisieren. Unter dem Hakenkreuz werden auch in Böblingen Menschen drangsaliert, verfolgt und der Ermordung ausgeliefert.
Die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg haben zur Folge, dass bei Kriegsende ca. 40 % der bebauten Fläche zerstört und nahezu 2.000 Menschen obdachlos sind. Der größte Teil der Altstadt mit der Stadtkirche, dem Schloss und dem Rathaus liegen in Schutt und Asche.
Nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 beginnt ein dynamischer Wiederaufbau in der von Migration und Wohnungsnot bewegten Nachkriegsgesellschaft: Sowohl Kriegsrückkehrer, Flüchtende und „Deplaced Persons“ als auch später sogenannte „Gastarbeiter“ tragen zu einer Einwohnerzahl bei, die sich innerhalb von nur zwei Jahrzehnten verdreifacht (1950: 12.600; 1970: 37.500).
Mit der Ansiedlung technologie-orientierter Firmen wie IBM (1949) und Hewlett-Packard (1959) sowie von mittelständischen Betrieben, die sich seit den siebziger Jahren vor allem auch auf der „Hulb“ niederlassen, setzt ein stürmisches Wirtschaftswachstum ein. Mit der blühenden Konsumgesellschaft wird Böblingen mit seinen großen Einkaufscentern zur „Einkaufsstadt“ - einem Image, vom dem man sich zum Ende des Jahrtausends abwendet. Das kulturelle Interesse bedienen seit den 1980er Jahren auch die neu gegründeten städtischen Museen, die groß angelegte Landesgartenschau in Böblingen 1996 und Festivals wie der „Sommer am See“.
Mit dem Millennium entsteht auf dem Flugfeldareal ein Stadtteil der beiden benachbarten Städte Böblingen und Sindelfingen, der moderne Lebensweisen zwischen Arbeitsplätzen und Freizeiteinrichtungen ermöglichen soll. Die Gesellschaft bearbeitet, diskutiert und (re-)formuliert Fragen zu Umwelt- und Klimaschutz, zur städtischen Mobilität neben dem stauträchtigen Automobil, zur Erinnerungskultur und zu sozio-politischen Herausforderungen in einer global vernetzten Gesellschaft.














