Dias für das Stadtarchiv gesucht!
Ein neues Jahr steht an, der Blick geht in die Zukunft. Doch was tun, mit den alten Dias vergangener Jahrzehnte, die geliebt und dennoch nicht mehr genutzt, noch daheim rumliegen? Das Stadtarchiv hat einen Lösungsvorschlag, der gleich mehrfach Gutes tut: Übergeben Sie Ihre Dias dem Stadtarchiv. Gestalten Sie damit die Überlieferung unserer Stadtgeschichte und vermeiden Sie nebenbei auch gleich Abfall.
Die Dia-Sammlung „E 2-13“ im Stadtarchiv
Das Stadtarchiv Böblingen bewahrt eine umfangreiche Dia-Sammlung, die das Leben in der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert, der Blütezeit der Dia-Fotografie. Alle Interessierten an der Stadtgeschichte können das Bildmaterial nutzen (Kontakt: stadtarchiv@boeblingen.de).
Dias, ein analoges Massenmedium vergangener Jahrzehnte
Unter einem Dia verstehen man heute meist ein vorführfertig gerahmtes Durchlichtbild (in Abgrenzung zum Diafilm) aus einem kontrastreichen Umkehrfilm, das meist als Diapositiv, seltener auch als Dianegativ vorliegt. Die meisten von ihnen sind sogenannte Kleinbild-Dias mit einem Bildformat von 24mm x 36 mm, die in einem festen Rahmen aus Plastik, seltener auch aus Pappkarton, von 5 x 5 cm Größe stecken. Aufbewahrt werden sie daheim oftmals in kleinen Schubern aus Plastik oder Holz, um den brummenden Projektor bei einer Diashow mittels einer Trägerkassette mit fortlaufendem Bildmaterial und seinem markanten Klicken beim Bildwechsel zu versorgen. Eine fragile Ordnung, die nur all zu leicht durcheinandergerät.
Das sogenannte Ektachrome-Verfahren wurde seit den 1940er Jahren zum Standard, um die negativ aufgenommenen Umkehrfilme zu positiven Aufnahmen in natürlichen Farben zu verwandeln. Die Hochphase der Dias begann, zigtausende Urlaubsaufnahmen bannten auch die Böblingerinnen und Böblinger auf Dia schwelgten in den auf die Leinwand projizierten Urlaubserinnerungen. Doch nach einem halben Jahrhundert kam der große Zusammenbruch. Mit dem Millennium löste die seit den 90ern aufkommende Digitalfotografie die analoge Fotografie als Massenmedium ab.
Von kleinen Diven und der Digitalisierung für Sie
Im Stadtarchiv Böblingen sind aktuell über 10.000 Dias aufbewahrt. Diese werden dort Stück für Stück in der archivischen Datenbank erfasst: sie bekommen eine Signatur und eine Bildbeschreibung, denn nur dann können sie in auch wieder aufgefunden – und damit auch genutzt werden. Zur Nutzung gehört auch die fachgerechte Verpackung. Dias sind kleine Diven, die schnell beleidigt ihre fragile Schönheit zerstören, wenn sie nicht hervorragend behandelt werden: Ihre beschichtete Oberfläche ist empfindlich für Kratzer, Fingerabdrücke, Licht und Feuchtigkeit. Sie brauchen eine stetige Pflege und wohlbedachte Aufbewahrung. Die Uhr tickt! Nicht nur Fotos, auch Dias verblassen, Farbstiche treten auf. Damit die Böblingerinnen und Böblinger die Dias in ihrem Stadtarchiv auch in der Zukunft bei gewahrter Qualität nutzen können, digitalisiert das Team im Stadtarchiv seit letztem Jahr umfangreich die Diasammlung. Die Originale bleiben geschützt – die Digitalisate sind flexibel für alle Interessierten an der Stadtgeschichte am heimischen digitalen Endgerät zu nutzen. Ein zeitgemäßer Service für Sie.
Dias gesucht!
10.000 Dias im Stadtarchiv klingt viel, ist aber mit Blick auf die gut 50 Jahre Diafotografie für eine große Kreisstadt sehr wenig. Daher bittet das Stadtarchiv um Ihre Unterstützung: übergeben Sie uns Ihre Dia-Sammlungen, die vom Leben in der Stadt Böblingen zeugen. Vom Stadtteil-Straßenfest über den Weihnachtsmarkt, die Sportveranstaltung, den Schulbazar, den Kirchenkaffeekranz oder die Aufnahmen beim Stadtbummel. Unterstützen Sie Ihr Stadtarchiv und gestalten Sie mit, wie wir heute und die Generationen in der Zukunft auf unsere Stadtgeschichte blicken können. Der Mehrwert für Sie? Die archivierten Dias werden digitalisiert – selbstverständlich auch für Sie!
Von Bildrechten und Breakdance
Im Stadtarchiv werden selbstverständlich die Bildrechte geachtet. Die Bildrechtsfrage steht einer Abgabe ans Archiv nicht entgegen! Grundlage hierfür ist nicht nur die omnipräsente DSGVO, sondern auch das Archivrecht. Ein Beispiel soll es verdeutlichen. Aktuell werden im Stadtarchiv Dias der Stadtfeste aus den 1980er Jahren erfasst – und dabei natürlich das geltende Recht umgesetzt. Machen wir heute ein Bild sind zwei Rechtsbereiche zu klären: Sowohl die Fotografin oder der Fotograf hat ihr Urheberrecht als auch die abgebildeten Personen haben ihr Recht am eigenen Bild. Wenn beide einverstanden sind, kann das Bild genutzt werden.
Die Herausforderung mit Bildern von damals: Unser Bewusstsein für das Recht am eigenen Bild und der Urheberschaft entwickeln sich stetig weiter. Früher hatten diese Rechte einen geringeren Stellenwert als heute. Es wurde seit den ersten Diaglasplattenaufnahmen um die Jahrhundertwende bis zur aufkommenden digitalen Fotografie immer umfangreicher geknipst. Vom Stadtfest 1984 liegen im Stadtarchiv sowohl Schnappschüsse der Jugendlichen auf den Mauern am Markplatz vor als auch gezielte Aufnahmen der Stadtkapelle auf der Bühne. Herausgekommen sind unterschiedlichste Dias, die die Besucherinnen und Besucher des Böblinger Altstadtfests mal im Tumult der Masse bei der Hocketse auf Bierbänken fassen, mal als Nahaufnahme beim Stöbern beim Straßenflohmarkt in der Pfarrgasse. Waren die Menschen einverstanden damit, bei ihren Folkloretanz-Darbietungen, bei der Breakdance-Show oder mittelalterliche kostümiert fotografiert zu werden? Das darf nicht per se angenommen werden. Daher können im Stadtarchiv zum Beispiel jene Aufnahmen mit sogenannten Schutzfristen belegt werden, wo ansonsten ein Persönlichkeitsrecht verletzt würde. (Für alle, die es genau wissen wollen: Das sind 60 Jahre, wenn das Geburtsdatum der abgebildeten Person nicht bekannt ist.) Künftige Generationen können nach Ablauf der Frist dann zusätzlich auch diese Bilder nutzen, die uns vom Leben damals, etwa in den wilden 1980ern in Böblingen, berichten.
Das Team im Stadtarchiv freut sich, von Ihnen zu hören! Telefonisch unter -07031-669 1988 oder an stadtarchiv@boeblingen.de

