Im Gedenken an die Opfer - Als Mahnung an die Zukunft
Ausstellung zum 80. Jahrestag der Bombardierung Böblingens (7./8. Oktober 1943)
2023 jährte sich zum 80. Mal die Bombardierung Böblingens durch alliierte Luftstreitkräfte. Die Stadtgesellschaft Böblingens hat in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 großen menschlichen und materiellen Schaden zu beklagen. Weite Teile der Altstadt und mit ihr die Stadtkirche sowie das Böblinger Schloss liegen danach in Trümmern. Neben vielen Toten und noch mehr Verletzten verlieren zahlreiche Menschen ihr schützendes Dach über dem Kopf. Der von den Nationalsozialisten entfachte Zweite Weltkrieg hat somit auch für Böblingen gravierende Folgen.
Die Ausstellung zeigte archivierte Aufnahmen Böblingens vor und nach der Zerstörung.

Die Folgen des nationalsozialistischen Angriffskriegs
Das nationalsozialistische Deutschland beginnt 1939 den Zweiten Weltkrieg. In der Folge des Kriegsgeschehens kommt es zu Luftangriffen der Alliierten auch auf zivile Ziele in Deutschland. In der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 wird Böblingen von einem verheerenden Luftangriff britischer, australischer und kanadischer Bomber getroffen.
Zerstörung im Stadtbild ...
Die Überlieferung zu den Kampfhandlungen sieht die Böblinger Altstadt nicht als das eigentliche Ziel des Luftangriffs in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943: Der Plan der britischen Luftwaffe habe ursprünglich vorgesehen Stuttgart anzugreifen. Die voran geschickten Flugzeuge (sogenannte "pathfinder") sollten in Stuttgart unter anderem durch Leuchtbomben die anvisierten Ziele markieren. Aufgrund des Nebels ging demzufolge jedoch die erste Markierung um 23:59 Uhr über den Böblinger Raum und erst die zweite über Stuttgart nieder. Der Hauptstrom der Lancaster-Kriegsflugzeuge warf daher wenige Minuten später seine todbringende Bombenfracht nicht nur über Stuttgart, sondern auch über Böblingen und den angrenzenden Raum ab - wo sich auch kriegswichtige Industrie am Militärflughafen befand sowie die Hindenburg- und Ludendorff-Panzerkasernen am Schönbuchrand.
... und in zahlreichen Schicksalen der Menschen
Der Luftangriff in der Nacht vom 7. Oktober dauert etwa eine Stunde. Seine Folgen waren fürchterlich: Rund 60 Menschen sterben, rund 250 sind verletzt und etwa 1.700 Menschen werden obdachlos.
Vor allem die Altstadt südlich des Marktplatzes ist fast vollständig zerstört. 216 Wohnhäuser gelten als total zerstört, 103 als schwer beschädigt. Prägende Gebäude wie der damals noch existierende Südflügel des Schlosses, die Stadtkirche und das alte Rathaus liegen in Schutt und Asche.
Die Stadt Böblingen ist im Herbst 1943, als sich das nationalsozialistische Deutschland bereits seit vier Jahren im Angriffskrieg mit den westlichen wie östlichen Nachbarländern befand, wenig vorbereitet auf den alliierten Luftangriff. Erst der Luftangriff selbst löst den Aufbau eines ganzen Systems von Luftschutzstollen in Böblingen aus. Unter den insgesamt neun Anlagen sind die größten der Luftschutzstollen unter dem Galgenberg mit 2.500 Plätzen (maximal 5.000) und der heute noch zugängliche unter dem Schlossberg mit 1.500 Plätzen (maximal 3.000). Sie erfüllen damals ihren Zweck und retten im weiteren Kriegsgeschehen zahlreiche Menschenleben.
Der Luftangriff im Oktober 1943 sollte für Böblingen nicht der Letzte seiner Art sein. Insgesamt zählt die Stadt bis zum Kriegsende im Mai 1945 29 Luftangriffe der Alliierten mit insgesamt 136 Toten. Unter ihnen sind 20 Kinder und viele ausländische Arbeitskräfte (Zwangsarbeitende). Sie sterben in ihren Wohnungen, Unterkünften, auf dem Weg zur Arbeitsstelle oder in den Schutzraum - oder, weil sie keinen Schutzraum haben.
Der schwerste erneute Angriff geschieht schließlich am 19. Juli 1944. Der Tagesangriff auf den nördlichen und westlichen Teil der Stadt fordert 36 Menschenleben, 24 Menschen werden verwundet und nur 23 Verschüttete können gerettet werden.
Was bleibt?
Der Wiederaufbau der Stadtkirche erfolgt bereits 1948/1949, die (Wieder-)Einweihung feiert die Stadtgesellschaft 1950. Hier zu sehen ist der Blick von Südosten auf den Schlossberg, ein Bäumchen auf dem Dach der Kirche zeugt vom kürzlichen Richtfest. Der Kirchenschiff und der Kirchturm sind noch im Gerüst (Bild: Stadtarchiv Böblingen).

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